Stille Welten

Es gibt Bilder, in denen wird Stille zur Dimension.
So wie in den Bildern von Ina Jenzelewski; großformatige Kompositionen, in denen Geistesblitze sorgfältig arrangiert und inszeniert zu stillen Welten verschmelzen. Da brauen sich geradezu barocke Formen an imaginären Himmeln zusammen, farblich Ton in Ton oder auch komplementär. Schwebende Objekte, genannt „Flying Pages”, die an Faltenwürfe in Deckengemälden erinnern. Im Angesicht dieser Szenarien hält man fast unweigerlich inne und still. Oder schmunzelt, wenn seltsame Insekten aufsteigen, um einen diffusen Leergekratzterfleischsalattopfhimmel zu erobern.

Kleines ganz groß und Großes ganz klein

Strukturen, Formen, Verfallsspuren … Es sind oft nur unscheinbare Dinge, die der Künstlerin vor die Augen oder auch Füße gekommen sind und sie zu den eigenwilligen Arbeiten inspiriert haben. Was andere übersehen, setzt Ina Jenzelewski mit digitalen Techniken in einen neuen Kontext und öffnet dem Betrachter ungewöhnliche Perspektiven. Eindrucksvoll in Szene gesetzte „Realteilchen” formieren sich im Reich der Pixel zu elfenhaften Arabesken oder titanartigen Gestalten, die fragmentarisch an anatomische Zeichnungen erinnern. Assoziationen tauchen auf und Neugierde wird geweckt. Was sich in dem Gewirr der Schichten verbirgt, offenbart sich oft nur bei genauer Betrachtung. Mais, Rotkohl, Kohlrabi oder Schubkarre. Neu interpretiert hat sich auf den Leinwänden ausgebreitet, was uns mit anderen Augen sehen lässt.

Digitale „Reanimationen”

Sicher könnte Ina Jenzelewski ihre Visionen auch malerisch zu Papier oder Leinwand bringen. Aber das wäre für sie nicht die ganze Wahrheit und nur eine ungenaue Kopie. Der Künstlerin ist es wichtig, die Realität so authentisch wie möglich und unverfälscht abzubilden, mit allen noch so winzigen Details. Im Zeitalter der Digitalisierung verändert die Künstlerin quasi den Aggregatzustand” ihrer Bildideen, um sie neu animiert auf der Leinwand zu re-manifestieren. Ein Ansatz, bei dem die Kunst darin liegt, in all den Schichten, Verflechtungen und Verzerrungen die Essenz des Ursprünglichen zu bewahren.